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Comic Blog


Freitag, 14. Juli 2006

Double Trouble

Filed under: Superhelden — Michael um 17:41

Der Ultimative Spider-Man 3Doktor Octopus erwacht. Seine Augen sind abgeschirmt, er weiß nicht, wo er ist und was um ihn herum geschieht. Gesundheitlich schwer angeschlagen wundert er sich allerdings darüber, wie die Menschen ihn ansprechen: Doktor Octopus. Es passiert wohl das, was mit jedem passieren würde, der mit vier stählernen Tentakeln aufwacht, die mit seinem Körper verschmolzen sind. Der Doktor dreht durch.

Peter Parker hat unterdessen ganz andere Probleme. Immerhin ist er ein ganz normaler Schüler – na, beinahe jedenfalls. Er ist ein Junge, der dem Unterricht folgt, auf Mary Jane steht und der mit großen Augen mit ansieht, wie Gwen Stacy neu an die Schule kommt und erst einmal Unruhe stiftet.
Zu allem Überfluss macht sich ausgerechnet einer der Rabauken der Schule Gedanken über Spider-Mans Geheimidentität. Und zum ersten Mal in seinem Leben hat dieser Einfaltspinsel eine vernünftige Idee. Ein Glück für Peter, dass diese Ideen nicht auf fruchtbaren Boden fallen.

Doktor Octopus leidet derweil unter einer schweren Identitätskrise. Nicht nur, dass ihn seine neuen Extremitäten in den Wahnsinn treiben, er ist auch auf der Suche nach dem Schuldigen, oder besser demjenigen, dem er die Schuld zuschieben kann. Dafür geht der gute Doktor sogar über Leichen. Die Polizei, allen voran Gwens Vater, hat alle Hände voll zu tun, um mit dem irren Wissenschaftler Schritt zu halten.

Unterdessen geht der Ärger für Peter Parker noch weiter. Vom anderen Ende der Welt reist ein selbsternannter großer Jäger in die USA ein. Sein Ziel: Die Jagd auf ein gefährliches Wild, wie es gefährlicher kaum sein kann und zwar der überaus gefährliche Kriminelle Spider-Man. Im Stil einer Daily Soap versucht Kraven, der Jäger, seinen medialen Marktwert zu steigern.
Spider-Man hat wirklich Double Trouble. Peters Pech ist es, dass der Sturm, der sich über seinem Kopf zusammenbraut, auch losbricht. Doktor Octopus erweist sich als Furcht einflössender Feind, der Peter alles abverlangt. Oder ist es am Ende Peters Privatleben, was Spider-Man zu Fall bringen wird?

Die Sorgen und Nöte eines Jugendlichen mischen sich mit denen eines Superhelden, der seine Geheimidentität auf jeden Fall schützen muss. Zusätzlich hat Peter Parker mit jenen Verbrechern und Möchtegerns zu tun, die ihm so gern das Leben schwer machen.

Die Zusammenfassung der acht Ultimativen Spider-Man Ausgaben bringt dem Leser die Geschichte des Ultimativen Doktor Octopus nahe. Der gute Doktor hat noch sehr viel Ähnlichkeit mit dem Original, wenngleich die Figur weitaus ernsthafter geworden ist. So ist sie dem Ultimativen Universum auch angemessener. Der Doktor ist ein sehr verzweifeltes Geschöpf geworden, natürlich auch wahnsinnig, damit kommt er der Version des Kinofilms Spider-Man 2 recht nahe. Technisch bringt er ein paar Finessen mit, die ein wenig an die Fähigkeiten des T-1000 erinnern. Auch dieser konnte mit einer Art flüssiger Metalllegierung aufwarten.
Autor Brian Michael Bendis hat Doc Ock deutlich brutaler angelegt als das Original des normalen Marvel-Universums. Entsprechend lädiert sieht Spider-Man nach einem Kampf mit ihm aus. (Verschiedene Begegnungen zwischen den beiden Erzfeinden sind nachzulesen in der Spider-Man Monster Edition Spider-Man gegen Doktor Octopus, die einige der klassischen Kämpfe chronologisch zusammenbringt.)
Doch Bendis versteht es auch die Intensität der Kämpfe zu entschärfen – mit einer wirklich sehr gesunden Portion Humor.
Wann sah man den Doktor schon mal in Unterhosen während eines Kampfes? Außerdem ist die Artistik, mit der Spider-Man dem Kampf mit Kraven ausweicht, fein anzuschauen. (Die Blamage für Kraven dürfte eine der Ursachen sein, warum der Jäger sich später etwas verbessern lässt. – Nachzulesen in Die Ultimativen Sechs, Die Ultimativen 10-12.)

Zeichner Mark Bagley hat seinen ganz eigenen Stil, um den ultimativen Wandkrabbler in Szene zu setzen. Verspielt, ausdrucksstark, teilweise auch spektakulär sind diese Bilder zu nennen. Er geht mit einem Auge zu Werke, das auf Großaufnahmen setzt und die Emotionen der Akteure auch ohne Worte toll vermittelt. (Hier besonders zu erwähnen die Bilder eines sehr verwirrten Doktors.) Ähnlich filmhaft ist auch der restliche Aufbau. Das Auge folgt Spidey in den Himmel, an einem Helikopter hängend. Die Action bedient sich einiger sehr waghalsiger Perspektiven, die die Rasanz der Bewegungen und der Kämpfe unterstreichen.
Die zwar muskulöse aber sehr schmale Gestaltung von Spider-Man bildet einen ziemlichen Kontrast zwischen ihm und seinen Gegner, die deutlich größere Muskelpakete mit sich herumtragen. Der Teenager Peter Parker tritt hier weitaus stärker zutage als im normalen Marvel-Universum.

Letzteres wird durch den Schluss noch viel klarer: Am Ende steht ein Superheld mit Hausarrest. Fazit: Ein Spider-Man so nah an der Realität, wie das in einem Superhelden-Comic nur eben möglich ist. Klasse!

Dienstag, 11. Juli 2006

House Of M

Filed under: Superhelden — Michael um 18:24

Marvel Monster Edition 13Der Mole King verliert. Die Fearsome Four vernichten sein unterirdisches Königreich, das die Herrschaft des Hauses Magnus niemals anerkannt hat. Nach dieser Untat kehren die Fearsome Four unter der Führung von Victor von Doom nach Latveria zurück.
Doch Doom wäre nicht jenes finstere Genie, gäbe er sich mit solch kleinen Vernichtungsfeldzügen zufrieden. Sein Ziel ist die absolute Macht. Doch dem entgegen steht das Haus von Magnus. Magneto befiehlt Doom wie einem Handlanger, etwas, das sich der Wissenschaftler und Magier nur mit ungeheurem Widerwillen gefallen lässt. Er schmiedet einen Plan, um das Haus, das sich zur Weltherrschaft aufgeschwungen hat, endgültig von der Erde zu verbannen.

Australien. Der Hulk (wie auch Bruce Banner) hat endlich eine Heimat gefunden. Die Aborigines haben ihn freundlich aufgenommen. Allerdings kann Bruce Banner nicht der Gewalt und somit seinem Alter Ego entkommen. Menschen, die hofften, sie könnten in der Einöde des Outbacks der Schreckensherrschaft der Mutanten entkommen, werden eines Besseren belehrt. Hulk greift ein und erledigt das Problem auf handgreifliche Art.
Obwohl dem Gouverneur von Australien von Magneto nahe gelegt wird, sich nicht mit dem Hulk anzulegen, ignoriert dieser den guten Rat. Ein Fehler! Hulk beginnt, die Angelegenheit sehr persönlich zu nehmen. Plötzlich sieht sich Bruce Banner mit einem Regierungsamt konfrontiert, eine Aufgabe, die er nie gewollt hat. Es war ihm einzig daran gelegen, das Volk der Aborigines zu schützen.
Die Intrigen, in die er nun hineingezogen wird, kann am Ende nur einer beseitigen: der Hulk.

Was tun, wenn man eigentlich tot sein sollte? Dieser Frage muss sich Hawkeye stellen. Und die Antwort gefällt ihm überhaupt nicht.
Auch Magneto hat ein Problem. Illoyales Verhalten kann der überhaupt nicht dulden. Der Black Panther, Held und Herrscher über Wakanda, hat sich den Zorn des Hauses Magnus zugezogen. Doch der Black Panther ist nicht nur der König eines Landes, in einer anderen Realität war er auch einmal ein Rächer. Er ist jemand, der sich zu wehren weiß und auch Freunde hat.
Abschließend lässt Captain America noch einmal die Zeit an sich vorüber ziehen. Er sieht, wie die Mutanten die Oberhand gewannen und die Gesellschaft sich wandelte. Jetzt ist er nur noch ein Fossil aus längst vergangenen Tagen. Oder doch nicht?

Verschiedene Geschichten, verschiedene Stile und Zeichner, beste Unterhaltung. Zwei längere Geschichten ragen besonders aus diesem Band heraus, der sich der verschobenen Realität um das Haus von Magnus annimmt.

Was wäre, wenn Reed Richards alias Mr. Fantastic nie die Gelegenheit erhalten hätte, das Team der Fantastischen Vier zusammen zu schweißen? Dies wäre vielleicht die Stunde des Dr. Doom gewesen. Vielleicht hätte dieser Schurke seine eigenen Vier aus der Taufe gehoben. Vielleicht hätte er seinen Terror ungestraft in die Welt tragen können. Auf grafisch wirklich beeindruckende Weise von Scot Eaton in Szene gesetzt und von John Layman erzählt, lässt es auf spannende Weise verfolgen, wie Doom gegen das Haus von Magnus aufbegehrt.
Eaton ist mit verschiedenen Arbeiten für Marvel bekannt (Spider-Man, X-Men u. a.), aber er lieferte auch tolle Arbeiten für die Serie Sigil aus dem Crossgen-Universum ab. (Wo er nach Meinung auch die besten Bilder der Serie ablieferte.) Hier gibt er den Fearsome Four ein Gesicht. Es zeigt sich, dass Eaton phantastisch mit Science-Fiction-Elementen arbeiten kann. So entsteht ein beeindruckender völlig neuer Doom, der dank seiner neuen Mimik noch gruseliger ist, da er nun seinen Gefühlen Ausdruck verleihen kann. (Und selten hat das Ding, besser das Es mir so Leid getan wie in dieser Geschichte.)

Der Hulk in Australien zu Hause? Nicht zum ersten Mal kann eine mystisch orientierte Kultur einem verlorenen Helden eine Heimat anbieten. Bruce Banner will dieses Kleinod beschützen, genauer, der Hulk nimmt ihm diese Arbeit ab. Hulks Kampf besticht durch faszinierende Einfälle, viel Dramatik und natürlich auch Humor. (Den der Hulk selber zwar bestreiten würde, doch seine Einfältigkeit bringt so manch komische Situation mit sich – für den Leser, weniger für seine imaginären Gegner.)
In dieser Geschichte (Terra Incognita), wie in der Vorgängergeschichte um Dr. Doom, erlebt der Leser die Handlung aus der Sicht von Nicht-Mutanten. Der Hulk gehört zu den mächtigsten Wesen des Marvel-Universums (auch in dieser Realität), so mächtig, dass sich sogar Magneto lieber mit dem grünen Giganten arrangiert. Obwohl eigentlich Doom für düstere Szenarien geschaffen ist (auch dank seiner magischen Ausflüge), bringt die Geschichte um Hulk deutliche Endzeitstimmung mit. Sie gehört zu den Szenarien, die sich wirklich in einem Zug lesen lassen (müssen).

Der Black Panther zeigt dem Leser, wie die Selbstheilungskräfte eines Sabretooth auch nichts mehr nützen. Diese Botschaft erreicht auch Magneto recht deutlich. Seltsamerweise nimmt er die Herausforderung nicht an, sondern schickt weiterhin seine Handlanger. Das ist nicht so stimmig. Andererseits mag es der Autor Reginald Hudlin als unter Magnetos Würde erachtet haben, dass der Herrscher sich persönlich mit dem König von Wakanda auseinandersetzt.
Letztlich ist es auch die Suche nach dem Haar in der Suppe, denn die Geschichten sind allesamt auf ihre Art gut und bereichern die Saga um das House Of M auf für mich treffliche Weise.
Wer als Leser nicht gerade dem Ultimativen Universum zugetan ist, sollte einen Blick in die Marvel Monster Edition 13 werfen. Dramatik und Action in tollen Szenarien sind garantiert. 😀

Samstag, 08. Juli 2006

All Star Superman

Filed under: Superhelden — Michael um 15:38

All Star SupermanSuperman muss sich beeilen. Er taucht in die Sonne hinein, um ein Forschungsraumschiff zu retten. Wieder einmal hat sich sein Erzfeind Lex Luthor einen Plan ausgedacht, um der Menschheit und ihm zu schaden.

Die Erkenntnis: Superman wird mit seiner Sterblichkeit konfrontiert. Luthors Plan geht auf. Nach all den Jahren, in denen Superman zwar täglich mit Gewalt und mehr oder weniger starken Gegnern zu tun hatte, gab er sich doch häufig relativ sorglos, da er auf seine stählerne Existenz vertraute. Ausgerechnet die Sonne, jene Energie, die für seine Kräfte verantwortlich ist, wird nun auch sein Ende besiegeln. Superman hat sich im wahrsten Sinne des Wortes eine Überdosis eingehandelt.

Superman handelt wie jeder Mensch des Planeten Erde, der das Ende vor Augen hat: Er regelt seine Angelegenheiten.

Eine dieser Angelegenheiten heißt Lois Lane. Superman nimmt sie mit in seine Festung der Einsamkeit. Sehr vorsichtig versucht er sie auf das einzustimmen, was vor ihm und somit vor ihr liegt. Dafür hat er sich etwas ganz besonderes ausgedacht.

Bekannt und doch nicht bekannt. So könnte man als Leser über die vorliegende Superman-Ausgabe ein kleines Urteil fällen. Die Vision, die Autor Grant Morrison hier für uns erzählt, halte ich für sehr gelungen, alleine aus dem Grund, weil sie eine mögliche Zukunft des Stählernen beschreibt, die sich sehr schön in das bekannte Universum einfügt.
Dazu nutzt sie bekannte Elemente, formt sie teilweise oder ganz zu neuen Komponenten. Morrison verfährt dabei mit ziemlichem Respekt vor der Comic-Legende Superman und legt doch viele eigene Ideen und eine gute Portion Humor hinzu.

In Morrisons Zukunftsvision finden sich Bizarros als Arbeitssklaven, werden Riesen für ihre Tiefenraummission ins Weltall vorbereitet. Superman ist älter geworden, seine Freunde und Feinde ebenso. Das Alter ist denn auch zur Motivation von Supermans Erzfeind Lex Luthor geworden. Das Verbrechergenie sieht seine Felle davon schwimmen. Er muss sich etwas beeilen, sonst wird er dereinst ganz einfach an Altersschwäche sterben, während Superman immer noch der Hüter des Planeten Erde ist.
Mit Morrisons Plot ändert sich dies nun.
Zusammen mit Lois Lane lernen wir eine neue Festung der Einsamkeit kennen. Details sorgen dafür, dass der Leser (in diesem Falle ich) neugierig auf die Kleinigkeiten achtet, die Morrison zusammen mit Zeichner Frank Quitely ausgetüftelt hat.

Wer erinnert sich nicht an diesen riesigen Wegweiser-Schlüssel, den Superman nutzte, um seine Festung zu öffnen (ja, der sogar Unbefugten den Weg zur Festung wies). Die neue Version ist nicht ganz so beeindruckend anzuschauen, aber pfiffig ausgedacht.
Das Innere der Festung ist nicht weniger schön angelegt. Die Einblicke, die hier gewonnen werden, sind schlichtweg tolle Ideen, die eigentlich nur jemand haben kann, der sich sehr mit dem Thema beschäftigt hat und es, wohl das wichtigste dabei, auch mag. Wenn man im Nachwort nachlesen kann, dass Grant Morrison sich mit dieser Geschichte einen lang gehegten Traum erfüllt, kann ich das ohne jeden Zweifel glauben.

Faszinierender sind noch die Ausblicke, die Morrison dem Leser gewährt. Die verschiedenen Superman-Persönlichkeiten, die in der Zukunft ausharren, regen außerdem die Phantasie des Lesers ordentlich an. Dies ist ein guter Trick, um die Neugier des Lesers auf die kommenden Ereignisse zu schüren.
Bei dieser tollen Geschichte darf die Leistung von Frank Quitely nicht vergessen werden. Leser, die auch im Marvel-Universum unterwegs sind, werden vielleicht seine großartigen Arbeiten bei dem X-Men kennen (seine New X-Men Stories sind hier nachzulesen in den X-Men Ausgaben 37 bis 40). Schwer zu sagen, wie man seine filigranen Bilder beschreiben soll, die je nach Farbgebung noch einmal deutlich an Qualität gewinnen. In einigen wenigen schwarzweißen Bildern lässt sich ein Vergleich anstellen: klassisch. Das ist das Wort, das sich findet. Wer einige Gemälde alter Meister heranzieht und die eher puppenhaften Menschen sich anschaut, wird so manches Element davon bei Quitely wieder finden.

Ein scheinbar unspektakulärer Auftakt einer sehr vielschichtig angelegten Superman-Geschichte. Morrison und Quitely liefern eine tolle Zukunftsvision des Stählernen ab. 🙂

Freitag, 07. Juli 2006

300

Filed under: Abenteuer,Klassiker — Michael um 12:23

300Im Jahre 480 vor Christus marschieren 300 spartanische Krieger zu den Thermophylen. An diesem Engpass gedenkt König Leonidas das persische Vielvölkerheer abzufangen. Keiner der Männer glaubt daran, dass er jemals zurückkehren wird.

Der König ist eine Legende unter den Spartanern. Wenn es ein Ideal eines Soldaten gibt, dann erfüllt Leonidas dieses Ideal bis ins Mark. Entsprechend fallen die Ehrbezeugungen und die Bewunderung seiner Männer aus. Und doch führt Leonidas seine Männer wider besseres Wissen in den Kampf. Er forderte den persischen Gottkönig Xerxes heraus, indem er dessen Gesandte in einen Brunnenschacht stürzen ließ. Das Orakel sprach sich gegen einen Kampf gegen die Perser aus. Leonidas, stolz und intelligent wie er ist, gibt nichts auf die Weissagung des Orakels. All die verantwortlichen Priester hält er für korrupt und krank.
Die Spartaner marschieren. Und sie geben ein Vorbild. Bald schließen sich ihnen andere Griechen an, doch sie sind keine wahren Soldaten, wie es die Spartaner ihr Leben lang sind. Leonidas traut ihnen keinen Platz in vorderster Linie zu.

Die Spartaner beziehen ihre Stellung, vorzüglich ausgewählt können sie mit ihrer Zahl an einem Gebirgsengpass das massive Heer der Perser aufhalten, denn hier zählt ihre schier unglaubliche Zahl nichts. Der erste Ansturm wird zurückgeschlagen. Xerxes sieht sich genötigt, persönlich mit Leonidas zu verhandeln. Natürlich schlägt der Grieche das Angebot des Persers aus. Als die gefürchteten Unsterblichen des persischen Gottkönigs angreifen, eine Truppe von Elitekriegern, scheint das Ende gekommen zu sein.

Es existieren einige wenige Schlachten in der Weltgeschichte, die niemals vergessen werden. Diese Schlachten zeichnen sich häufig durch enorme strategische Verdienste der Gewinner aus – oder durch die ungeheure Tapferkeit der Verlierer. Die Schlacht bei den Thermophylen ist ein solch geschichtsträchtiges Ereignis.
Frank Miller, der Meister des Comic-Thrillers, hat sich dieses herausragenden Themas angenommen und den Männern, die den Ansturm jener Übermacht aufhielten, ein szenisches Denkmal gesetzt. Spannungsgeladen bis zum äußersten wendet Miller sein erzählerisches Handwerkzeug auf dieses geschichtliche Ereignis an und schafft so ein Comic-Epos, das seiner Arbeit, die er mit Sin City ablieferte, die endgültige Krone aufsetzt.
Wenngleich die 300 Spartaner auch wie ein Mann handeln, wenn der Kampf ruft (eine wichtige Eigenschaft einiger ihrer Kampftaktiken, wie sich im Verlaufe der Schlacht zeigt), erzählt Miller ihre Geschichte anhand einiger weniger Charaktere, die er sorgfältig ausgewählt hat.

Allen voran steht natürlich König Leonidas. Er ist einer jener Charaktere, die in einer Geschichte für ein einziges vorbezeichnetes Ziel in ihrem Leben existieren. Leonidas ist bereits Zeit seines Lebens eine Legende. Dilios, ein getreuer Soldat, berichtet den anderen Gefährten über den König wie über eine althergebrachte Sage.
Leonidas lebt so seine eigene Legende. Durch seine Stärke ist er der Archetyp des Spartaners.
Ihm gegenüber steht Xerxes, der persische Gottkönig, für den Menschen nur Material bedeuten. Würde der Begriff Kanonenfutter zu dieser Zeit schon Sinn machen, wären sie für ihn nichts anderes. Sein Ehrbegriff ist zu dem der Spartaner vollkommen gegenteilig, nur der Sieg und die Macht zählen. Der Zweck heiligt die Mittel, weshalb schließlich auch Verrat zum Untergang der Spartaner führt.

Das mag sich sehr analysiert lesen, ist allerdings von Miller in ganz einfache strenge Formen gepresst. Die Geschichte ist eine Tragödie. Ein jeder weiß, wie es enden wird, ja, enden muss, aber einen Ausweg gibt es nicht, weil jeder gemäß seines Charakters handeln muss.
Aber Miller lässt den Leser nicht außen vor. Er holt den Leser herein in diese Tragödie, als junger Soldat im Heer des Leonidas, hier in Gestalt von Stelios. Für Stelios’ zeitweilige Schwäche wird das ganze Heer gestraft. Der junge Mann reißt sich schließlich zusammen und trägt zur Legende der Spartaner heldenhaft bei. Und Miller geht noch weiter. Er lässt den Leser auch zum Verräter werden. Einer, der unmöglich mit den Spartanern mithalten kann, offenbart den Persern einen Weg, um den Spartanern in den Rücken zu fallen, nur damit er am Ende umso deutlicher das ruhmreiche Verhalten der Spartaner erkennt. Schließlich stellt Miller dem Leser noch Dilios, den Erzähler, zur Seite, jenen Charakter, der auserwählt ist, diese Geschichte weiter zu erzählen.

Der vorliegende Band erscheint in einem rechteckigen Format, was mitsamt seiner bildgewaltigen Darstellungen, die der Leser von Miller kennt, unwillkürlich an das Cinemascope-Format erinnert. Natürlich bleibt es nicht aus, angesichts des spartanischen Heeres, das auf den Betrachter zumarschiert, an das Breitwand-Kinoformat erinnert zu werden. Martialische Kämpfe finden teilweise in einer gnädigen Scherenschnittdarstellung statt – und erinnern so ein wenig an die Darstellungen aus der Einleitung von Bram Stoker’s Dracula.
Die Leistung der Spartaner ist schier übermenschlich. Entsprechend gleitet Millers bildliche Darstellung manchmal ins Abstrakte ab. So überlässt er der Phantasie des Lesers das Grauen, das sich in dieser Schlacht abgespielt haben muss. – Wie groß der Kern dieser Legende ist, muss jeder Leser für sich selbst herauslesen, selbst wenn er sich nur an die Fakten hält, die überliefert sind.

“Einhundert Völker werden über euch kommen. Unsere Pfeile werden die Sonne verdunkeln.“
“Dann kämpfen wir im Schatten.“
Markige Dialoge und Sprüche sind auch ein Markenzeichen von Miller. Hier gelingt es ihm tatsächlich einen Teil der Atmosphäre eines Thrillers oder auch eines Spaghetti-Westerns in einen Sandalen-Film zu übertragen. Derlei Texte geben der Tragödie ein wenig Humor und nehmen der Geschichte ein bißchen von der hochmütigen Schärfe, mit der die Spartaner auftreten. Trotzdem verliert der Leser dadurch nicht den Respekt vor den Spartanern, die sich einem der größten Despoten ihrer Zeit entgegenstellten.
Kehr zurück mit deinem Schild – oder auf ihm. Selbst die Frauen wissen, was es bedeutet, ein Spartaner zu sein. Ehrverlust wiegt schwerer als der Tod. So wird der Galgenhumor der Spartaner für jeden Leser erkennbar.

Am Ende bleibt zwar nur Tod und Vernichtung, aber es bleibt auch die Erkenntnis für den Leser, mal wieder einen richtigen Monumentalfilm gelesen zu haben. Beide Daumen rauf für eine Geschichte, für die der Begriff Graphic Novel hätte erfunden werden müssen. 😀

Mehr Informationen: 300 (Film-Info bei IMDB)